Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 5/1967

Ausgabe der Autorevue vom Mai 1967 mit Cover, Editorial & Impressum

07.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Das Autodrom im Tele-Sport

 

Dr. Kurt Jeschkos löbliche Initiative, die rivalisierenden Proponenten der Rennstrecken-Projekte Zeltweg und Thalgau in friedlicher Eintracht vor die Fernsehkamera und an einen Tisch zu bringen, ergab wohl eine interessante Diskussion, aber natürlich keine endgültige Antwort auf die Frage, ob Österreich nun zwei, eine oder keine Rennstrecke erhalten wird. Immerhin, die Fronten wurden abgesteckt und man kann heute klarer als vor der Telesport-Sendung einen Überblick geben.

Zeltweg, das ging aus Pieter Nortier´s Fernseh-Expertise klar hervor, ist sportlich das weit schönere Projekt – der Präsident der CSI-Subkommission für Rennstreckenfragen sprach das Wort vom „Märchen der Steiermark“ aus. Zeltweg hat auch einen enormen Terminvorsprung, denn die Fernseher konnten sich überzeugen, daß der genaue Streckenverlauf bereits von Geometern vermessen und ausgesteckt ist. Der Zeitvorsprung wird von Fachleuten mit zehn bis vierzehn Monaten beziffert.

Thalgau profitiert von der günstigen Verkehrslage unmittelbar an der Autobahn Salzburg-Linz, auch scheint der Ankauf der Grundstücke dort problemloser vor sich gehen zu können. Während aber der steirische Landesvater für Zeltweg schon mit rechtsgültigen Zusagen des Landes aufwarten kann, vermochten die Vertreter der Salzburger Landesregierung vorerst nicht mehr zu tun, als bei gesicherter Finanzierung die Bereitschaft zu bekunden, mit einem Auftrag auf Bereitstellung eines Betrages zum Ankauf des Bodens in den Landtag zu gehen.

So trennten sich die Fernseh-Debattierer, ohne den vielleicht wichtigsten Gesichtspunkt der Rennstreckenfrage überhaupt berührt zu haben, nämlich ein volkswirtschaftliches Argument. Die Frage heißt ganz klar: Wo ist eine permanente Rennstrecke, also ein Projekt von –Zigmillionengröße, sinnvoller, was brächte eine Rennstrecke dem Lande Salzburg, beziehungsweise was brächte sie der Obersteiermark. Im Falle Salzburgs ist die Antwort leicht gefunden: Die Rennstrecke Thalgau bringt neben Deviseneinnahmen eine bessere Auslastung der Salzburger Hotellerie in den festspiellosen Monaten – nicht mehr und nicht weniger.

Die Obersteiermark hingegen ist ein Land, das an der Braunkohle, am Eisenerz und am Stahl hängt. Es bedarf nur eines Blickes auf die Wirtschaftsseiten der Tageszeitungen, um volle Klarheit darüber zu haben, daß die Obersteiermark schweren Zeiten entgegengeht. Aus Überlegungen hat Landeshauptmann Krainer – und mit ihm der Landtag – zum Zeltweger Projekt sein Placet gegeben. Er sieht richtigerweise in der steirischen Rennstrecke einen Kristallisationskern für die Erschließung der Obersteiermark als Fremdenverkehrsgebiet. Deshalb wird die Steiermark wohl, wenn nötig, zusätzliche Mittel zur Verwirklichung des Projekts bereitstellen müssen – und das sicherlich mit gutem Gewissen. Denn es ist allemal sinnvoller, Millionen in eine Rennstrecke zu investieren, als später Millionen an Arbeitslosenunterstützung auszuwerfen, meint

 

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Inhaltsverzeichnis

 

Leserbriefe (Seite 4)

Buchbesprechungen (Seite 6)

AUTOREVUE-Kalender (Seite 9)

Neue Modelle (Seite 11)

AUTOREVUE-Prüfung: Porsche 911 S (Seite 14)

Eifelrennen (Seite 18)

12 Stunden Sebring (Seite 20)

Vortraining in Le Mans (Seite 23)

Flugplatzrennen Wien-Aspern (Seite 24)

Weerberg-Rennen (Seite 26)

Das Auswuchten von Rädern (Seite 31)

Fahrteindrücke: Fiat 125 (Seite 33)

Vergaser – in Theorie und Praxis (Seite 34)

Ein Kampf um Öl (Seite 38)

40 Jahre Nürburgring (Seite 42)

Autoanalys (Seite 45)

Speedpilot (Seite 46)

Aus Handel und Industrie (Seite 49)

Sportresultate (Seite 50)

Aus der Vollgasbranche (Seite 52)

Automobilbörse (Seite 53)

Neuwagenpreise (Seite 54)

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