Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 03/2011

Ausgabe der Autorevue vom März 2011 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

 

125 Jahre Auto also, aber unsere Feierlaune ist, na ja, nicht ­ungetrübt. Scheinen doch die Unwägbarkeiten rund ums Auto heute größer denn je. Oder kommt uns das nur so vor? Immerhin hat das Auto zwei Ölkrisen (1973 und ’79) und ein Wald­sterben (Achtziger) überstanden, absurd in die Höhe schnellende Spritpreise sind auch kein Phänomen, das wir erst seit gestern kennen.

Und doch wirken die Probleme diesmal fundamentaler. ­Unsere Überfluss-Gesellschaft tut sich sichtlich schwer damit, die so selbstverständlich gewordenen Segnungen der indivi­duellen Mobilität anzuerkennen. Und schlimmer noch: In Wahrheit traut sich heute niemand zu sagen, in welche Richtung die technische Entwicklung abbiegen wird. Elektro? Brennstoffzelle? Ultra-Leichtbau? Oder doch ganz banal Erdgas? (Dank neu entwickelter Fördermethoden reichen die ­Ressourcen angeblich für die nächsten 100 Jahre.) Es klingt ­jedenfalls fast wie ein Treppenwitz der Geschichte, dass das Auto nach 125 Jahren beinahe wieder in den Unsicherheiten der Ausgangssituation angelangt ist, gesellschaftlich wie technisch.
David Staretz hat die Bestandsaufnahme des Automobils

im Jahre 2011 in einen Essay gepackt, der nicht zur platten ­Jubelschrift geriet wie in manchen deutschen Magazinen. Für uns hat Liebe nämlich auch was mit Ehrlichkeit zu tun. Und doch geriet der Text zur Ode ans Autofahren, an die ­damit verbundene Freiheit. Ich möchte so weit gehen, dass dies einer der besten Essays ist, die jemals in der Autorevue erschienen sind, und einer der wichtigsten dazu. Ganz schwere Empfehlung also: „Vibrierend vor Verbrennungsfreude“, ab Seite 108.

Und danach heißt es gleich weiterlesen: Martin Strubreiter hat die Anfänge im Rahmen einer Zeitmaschine superb ­recherchiert und dabei Fakten ausgegraben, die sonst nicht so geläufig sind, z. B. dass Carl Benz mit dem Automobil auch gleich den Crashtest erfunden hat und dass das Auto genauso alt ist wie ­Coca-Cola – aber deutlich mehr prickelt. Denn in einem Punkt möchte ich David Staretz wider­sprechen: Für mich ist es keine ausgemachte Sache, dass das Auto seine besseren 125 Jahre hinter sich hat. Es kommt schließlich immer drauf an, was man draus macht.

Herzlichst
Christian Kornherr

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