Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 07/2011

Ausgabe der Autorevue vom Juli 2011 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin,
lieber Leser,

 

nun ist er endlich offiziell eröffnet, der Red Bull Ring. Das konnte natürlich nicht ohne die unternehmenseigene Bombastik über die Bühne gehen, wenn auch alles ein bissl im sintflutartigen Regen unterging. Dafür lief die interna­tionale Rennpremiere pannenfrei. Alles super, alles toll, nur eines kann ich nicht nachvollziehen: Woher nehmen manche Medien diese atemlose Euphorie in ihrer Berichterstattung? Reichen tatsächlich acht Jahre Pause, damit alle alles vergessen haben?

Nur zur Erinnerung: Wir hatten bis 2003 eine durchaus moderne, sogar Formel-1-taugliche Rennstrecke, die Herrn Mateschitz mehr oder weniger zum Nulltarif überlassen wurde. Dann fand unter Mateschitz’ Verantwortung der Abriss der Start-Ziel-Gerade statt – damit ging die behördliche Genehmigung flöten und die Tragödie konnte ihren Lauf nehmen. Am Ende des Gwirx wurde statt der hochfliegenden Milliarden-Pläne im Prinzip das alte Konzept wiederbelebt (das bissl Enduro- und Offroadfahren kann man anderswo auch).

Dazwischen liegen allerdings acht Jahre Rennpause, eine ganze Menge wirklich unnötig verschleuderter Steuermillionen und eine nun viel stärker eingeschränkte Nutzbarkeit – Stichwort Lärmkontingent. Müssen wir also ­wirklich dankbar sein, wie manche Lokalpolitiker behaupten? Sicher, die Menschen der Region dürfen sich nun über neue Einkommensmöglichkeiten freuen, aber niemand redet über ihre Einbußen in den Abrissjahren. Herr Mateschitz hat ein funktionierendes Geschäftsmodell aus bis heute nicht ganz geklärten Gründen unnötig zerstört und brauchte acht Jahre, um diesen Fehler zu reparieren.

That’s it.

Meiner Meinung nach bleibt da für Euphorie oder gar Dankbarkeit kein Platz. Aber Schluss jetzt: Ab sofort freuen wir uns nur mehr über die Wiedereröffnung einer wunderbaren Rennsport-Bühne, denn eine der am schönsten gelegenen Rennstrecken der Welt war der Ring immer schon. DTM-Comeback in Österreich, ab Seite 64.

Herzlichst
Christian Kornherr

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