Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 02/2011

Ausgabe der Autorevue vom Februar 2011 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin,
Lieber Leser,

 

2010 war vielleicht das verrückteste Jahr, das die heimische Autobranche jemals gesehen hat, und zwar im posi­tiven Sinn. Beim Jahreswechsel 2008/09 war die Unsicherheit noch groß, kein Mensch traute sich sagen, wie es weitergehen würde. Forecasts und Bestellungen mussten trotzdem abgegeben werden. Es lief dann prächtig, alle Beteiligten hatten das Gefühl, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein, auch wegen der Verschrottungsprämie.

2010 musste also einen Rückgang, wenn nicht den Absturz der Verkaufszahlen bringen, schließlich übertreffen wir in Sachen Autokauflust Deutschland seit Jahren. Und? Nichts ist passiert, der Branche wurde völlig unerwartet ein absolutes Rekordjahr beschert.

Was lernen wir daraus? Vor allem einmal: Die Lust am Autofahren und letztlich auch am Auto selber ist in Österreich offenbar nicht totzukriegen, auch wenn die Anstrengungen in diese Richtung seitens der Regierung und eines Großteils der Medien beachtlich sind. Deshalb sollte von den Importeuren verstanden werden, dass sie über Macht und Mittel verfügen, effektvoll gegenzusteuern. Spätestens jetzt ist nämlich sicher, dass die Autostimmung im Land bei Weitem nicht so trist aussieht, wie sie in den Tages­zeitungen und im ORF gemeinhin dargestellt wird. Positive Lebenszeichen werden also auf fruchtbaren ­Boden fallen.

Die Tageszulassungen sorgten dafür, dass die Cham­pagnerkorken trotzdem nicht durch die Decke gehen. Auch hier wurde heuer ein Rekordhoch erreicht, sie ver­fälschen die wahren Kräfteverhältnisse am Markt stärker denn je. Es ist jedenfalls ziemlich erstaunlich, wie viel Geld verpulvert wird, nur um irgendwelche Statistikeffekte in den Konzernzentralen (und daraus resultierende Bonuszahlungen) zu erzielen, statt es ins Marketing oder die Kundenbetreuung zu investieren. Tageszulassungen sind ein sinnbefreites und daher krankes System, und in der Vergangenheit haben kranke Systeme in der freien Marktwirtschaft nie lange überlebt. Oder vielleicht doch? Gerade hier ändern sich ja die Zeiten dramatisch.

Herzlichst
Christian Kornherr

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