Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 02/2005

Ausgabe der Autorevue vom Februar 2005 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Liebe Leserin,

 lieber Leser,

 

das eigentliche Wunder war: dass vor vierzig Jahren eine Autozeitschrift aus einem kleinen Verlag heraus überleben und Wurzeln schlagen konnte. Ganz besonders hätte man also das einjährige Bestehen feiern sollen, und das fünfjährige.
     Wir haben aber erst den zehnten Geburtstag zur Kenntnis genommen, eher in geschäftsmäßiger Eile, denn 1975, das war der Boom nach der Ölkrise, wir hatten eine Viertelmillion Leser, und Niki Lauda würde vielleicht Weltmeister werden in jenem Jahr. Man musste aber auf der Hut sein. Zehn Automarken waren seit der ersten Autorevue schon dahingerafft, von Abarth bis Wolseley. In der Preisliste am Ende des Heftes gedieh immerhin noch Exotisches für beherzte Mechaniker, von Austin bis Wolga.
     Eindeutig bejubelnswert fanden wir erst die Vollendung der ersten zwanzig Jahre, 1985, das war Halbzeit aus heutiger Sicht. Ich war im Editorial sehr stolz auf zwei junge Hupfer, David Staretz und Rudolf Skarics. Philipp Waldeck war uns mittlerweile zugewachsen als Personalunion aus Alter Egound unveröffentlichtem Hemingway. Er schrieb über das Neunelfer-Cabrio, eine Bestimmung fürs Leben.
     Die Autorevue setzte sich von der sogenannten Autofahrer-Lobby ab: „Mit dem Beweis, zu ganzheitlichem Denken fähig zu sein, müssen wir vorangehen – und nicht auf die Dümmsten warten.“ Ganz konkret betraf das den Katalysator, gegen dessen zwingende Einführung damals „die ganze Branche“ war … Kann sich heute überhaupt noch jemand vorstellen, wie es damals auf den Straßen gestunken und wie normal man das gefunden hat?
     Ich bilde mir ein, das x für Verwixtsein erfunden und damit einer anmutigeren Form von Verspieltheit (heute würde man sagen: „light“) das Wort geredet zu haben; im Sinne dieser freien Liebe zum Automobil konnten die Zeiten nie besser werden als in den Achtzigern. Alles war erlaubt, was noch eine Hetz war, und zusätzliche Finesse haben wir auch gern importiert. Die Wiederholung eines kleinen Juwels von Richard Brautigan in diesem Heft (Seite180) ist ein Beispiel dafür.
     Fünf Jahre später, 1990, zur 25-Jahr-Gala, kam im Editorial ein Satz von Hans Magnus Enzensberger vor: „Wir zerstören, was wir suchen, indem wir es finden.“ Die Autorevue, schloss ich in staatsmännischer Haltung, „ist erwachsen, hat Verantwortung und kann nicht Menschen aufgeilen, damit sie wohin düsen, wo immer schneller nix mehr ist“.
     Wir hatten 625.000 Leser laut Media-Analyse, Weltrekord für eine Autozeitschrift in Relation zu ihrem Verbreitungsgebiet. Ich sage das nicht so daher, es hält der Nachprüfung stand.
     Für die Jubiläums-Autorevue von 1990 fuhr ich mit Walter Röhrl den Porsche 959, Titel: „Das verlorene Glück des instabilen Zustands“. Das war eine wahrlich gültige Headline für die Aficionados. Es fing bei Röhrl und 500 PS an, betraf aber natürlich alle, die den potenziellen Spaß eines tollen Autos nicht mehr einlösen konnten.
     Ich werde jetzt nicht wehleidig werden, aber das verlorene Glück des instabilen Zustands war tatsächlich ein großes Thema der neunziger Jahre. Das galt für erwünschte und unerwünschte elektronische Fahrhilfen im Auto, es galt für Konjunktur und Verlagswesen, es galt für unsere kleine schwimmende Insel, die letztlich am Festland angedockt wurde. Eigentlich hätte dann ein Mainstream-Produkt draus werden sollen, aber am Ende hat die ganz spezielle Eigenart der Autorevue auch im großen Verbund ihren Platz gefunden. So gehen wir fröhlich ins einundvierzigste Jahr.
     Wir sehen uns unverändert als Magazin des aufgeweckten Autofahrers, mit hoher Neugier für frische Entwicklungen und leichter Nostalgie für jenen instabilen Zustand, aus dem wir kommen.

*

Ich will ja nicht rechthaberisch sein, aber vor zwanzig Jahren schrieb ich über Christian Kornherr, dass er drauf und dran sei, „mit stolz erhobenem Haupt aus dem Schatten seines Debütantenjahres herauszutreten; er weiß: Er hat der Welt noch viel zu sagen.“
     So ist es längst geschehen, so soll es weiter sein, und die Welt darf sich freuen.

*

Eine ehrliche Freude ist es mir auch, jede runde Autorevue mit ehrenvollem Bezug auf unsere Gründer zu schmücken, Norbert Orac und Martin Pfundner. Update in beiden Fällen: Aus sinnvoller Ertüchtigung in frühen Jahren des riskanten Zeitungmachens gewannen sie Lust und Kondition fürs Leben. Sie sehen hinreißend aus in der Würde ihrer Jahre, sind reich und klug geworden, leben in glücklichen Familien und fahren smarte Autos.

*

Kompliment an unsere Leser über die Jahre hinweg für Ihre geschmackvolle Wahl der Lektüre,
     dankschön und herzliche Grüße,
                Ihr Herbert Völker

 

Liebe Leserin,

 lieber Leser,

 

jetzt sind wir also vierzig. Auf ein Menschenleben übertragen, wäre es jetzt an der Zeit für eine ordentliche Midlife-Krise. Aber daraus wird leider nichts. Wir fühlen uns einfach noch viel zu jung und frisch dafür – wie Sie diesem Heft deutlich entnehmen können.

Sie werden Herbert Völker auf der Höhe seiner Kunst erleben (und das allein würde fast ein halbes Normal-Heft füllen), und auch alle anderen Redaktionsmitglieder haben absolute Top-Stories abgeliefert. David Staretz erklärt uns die Kurve endlich so, wie sie wirklich ist. Susanne Hofbauer ging bei drei Generationen Designern auf die Suche nach der wahren Form. Werner Jessner setzte sich aufs Motorrad, aber auf welches! Rudolf Skarics gestaltete eine kurzweilige Führung durch 40 Jahre Autoentwicklung. Martin Strubreiter, gemeinsam mit Axel Höfer die organisatorische Seele der Redaktion, besuchte äußerst vitale Über-Hunderter. Timo Völker bringt uns mit „Pimp Your Life“ die neuesten Aufreger der MTV-Generation näher. Stefan Schlögl knackte zuerst den Mann, der aus Prinzip keine Interviews mehr gibt, nämlich Klaus Maria Brandauer, und schrieb dann eine hinreißende Story darüber.

Und schließlich belohnten wir uns selber und gingen mit unseren liebsten Sportwagen der letzten 40 Jahre ausgiebig spielen (Supertest, Seite 86). Zum Drüberstreuen wartet dann noch eine Chronik mit den wichtigsten Ereignissen, gestaltet von Völker, Staretz und meiner Wenigkeit.

Mir wurde beim Durchblättern der alten Jahrgänge vor allem eines klar: Über die Jahre mag sich ein paarmal die Optik oder der Zugang zu Geschichten geändert haben, im Kern sind wir uns aber immer treu geblieben. Der Geist der Autorevue steht für die Freude am Auto, die Lust am Geschichtenerzählen, die Liebe zur Qualität, den Mut zum Anspruch. Wichtigster Motor dabei ist eine Redaktion, die trotz unterschiedlichster Charaktere (was jedes Monat eine spannende und bunte Heftmischung garantiert, siehe oben) über einen in der Branche ungewöhnlich hohen Zusammenhalt verfügt.

Es war uns jedenfalls ein Fest, für euch diese Gala-Nummer bereiten zu dürfen. Weil ihr, liebe Leser, seid sowieso die besten und treuesten der gesamten Zeitschriftenlandschaft. Danke.

Herzlichst,
Christian Kornherr

 

Inhaltsverzeichnis

 

AUTOS

102  Audi Urquattro
  30  Bentley Continental Flying Spur
  19  BMW M6
  26  BMW 3er 
        Ein neuer Maßstab?
  96  BMW M1
  94  Dodge Viper
100  Ferrari F40
  92  Honda NSX
106  Jaguar E-Type
104  Lamborghini Gallardo
108  Lamborghini Miura SV
  20  Mercedes M-Klasse
  90  Mitsubishi Evo 6
110  Porsche Carrera RS
  18  VW Passat

NEU

  18  Modelle, Trends, Technik
        VW Passat: Alles wird besser.
        BMW M6: Der heiße Frühling.
        Mercedes M-Klasse, Fiat Croma, Audi allroad quattro.
  22  Vienna Autoshow
        Highlights der zweiten Auflage.
  32  Auto Max
        Neues aus den USA:
        Optimierung durch Maximierung,
        zum Beispiel maximal wenig Verbrauch.

40 JAHRE AUTOREVUE

  38  Chronik eines Erfolges
        Die Highlights von 1965 bis 2004: vom Weitmann-Cover
        bis zum Racing Rookie, von Jochen Rindt
        bis zum Rätsel von Spielberg. 
209  Menschen
       
Der bunte Haufen Autorevue.

SUPERTEST

  86  Die glorreichen Zehn
        Die besten Sportwagen der Autorevue-Geschichte. 
        Jaguar E-Type, Lamborghini Miura, Porsche Carrera RS,
        BMW M1, Audi quattro, Ferrari F40, Honda NSX,
        Dodge Viper, Mitsubishi Evo 6, Lamborghini Gallardo.

SPORT

128  Sport: National & International
        IQ-Jänner-Rallye: Glattes Parkett.
132  Formel 1
        Formel 1 zwischen Bastlern und Computer,
        erzählt von Helmut Zwickl.
140  Track Test
        Wir fuhren den Rallye-Weltmeister: Citroën Xsara WRC.
145  Niki Formel Inside
        Der Aufbau des Red Bull-Teams.
150  Gute Zeiten, schnelle Zeiten
        Wie einer seinen Irrwitz in Behutsamkeit schult.
        Walter Röhrl, portraitiert von Herbert Völker.

TECHNIK

122  Fortschritt in kleinen Dosen
        Von ABS bis VVT. Was Technik
        heute kann und wie sie so weit kam.
        Ein Abriss von Rudolf Skarics.

MOTORRAD

146  Mein Freund, die Angst
        Werner Jessner auf der Honda RCV211, die doch nicht
        Moto-GP-Weltmeister wurde.

FEATURES

170  Revue: Leben in Bewegung
        Zukunftsfantasien in Pastellfarbe.
        Autobücher für alle Zeiten.
116  Designer dreier Generationen
        Gestern, heute, morgen: Anatole C. Lapine, Chris Bangle
        und Marc Ischepp im Gespräch mit Susanne Hofbauer.
174  London–Brighton
        Das älteste Rennen der Welt,
        und kein Auto ist jünger als 100 Jahre.
180  Richard Brautigan
        Verkehrsstau in Montana.
        Einer unserer All-Time-Favorites.
182  Pimp your Life
        Hip-Hop-Schrauber customizen dein Auto,
        MTV zahlt die Rechnung.
186  Wir Kurvenkinder
        David Staretz über das Wesen des Abbiegens.
190  Literarisches Autofahren
        Marlene Streeruwitz über die Autos ihrer Romanfiguren
        und ihren verlorenen VW 411.
192  Grosses Theater
        Klaus Maria Brandauer und seine Autos.
        Ein Feature von Stefan Schlögl und Jürgen Skarwan.

STANDARDS

    5  Cartoon Ruud Klein
  12  Waldecks Wanderbrief
  20  Offenlegung nach §25 Mediengesetz
  37  Cartoon Herms Fritz
158  Autobörse
199  Alle Autopreise
208  Motorradpreise
210  Impressum, Vorschau, Tagebuch

Mehr zum Thema
pixel