Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 04/1972

Ausgabe der Autorevue vom April 1972 mit Cover, Editorial & Impressum

08.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Trostreich

„Der Umweltschutz wird uns allen viel ärger auf den Kopf fallen, als wir uns heute ausmalen können“, formuliert ein Industriesprecher am Genfer Salon jenes Problem, das derzeit noch zu abstrakt ist, um uns echt zu berühren. Die schleichende Verschärfung der Misere und die dadurch immer schärfer werdenden Bestimmungen der Behörden könnten sich zur größten Revolution des modernen Automobilbaus auswachsen. Noch ist das Ausmaß der Kostenexplosion nicht abzusehen, fest steht nur, daß wir alle an der „sauberen Umwelt“ kräftig mitzahlen werden.

Sehr zurückhaltend wurde der Stand des größten Forschungsprojekts auf diesem Gebiet in Genf präsentiert. An der Arbeitsgruppe IIEC (Inter-Industry Emission Control) sind elf Automobil- und Mineralölkonzerne beteiligt, Hauptträger des Programms sind Ford und Mobil. Wie immer, wenn nicht Manager sondern Wissenschaftler den Ton angeben, war der Genfer Zwischenbericht sehr vorsichtig formuliert. Die technischen Elaborate lassen sich darauf reduzieren, daß sich bislang fünf verschiedene Arbeitswege abgezeichnet haben, von denen einer zum Ziel führen könnte, nämlich „Fahrzeuge mit praktisch unerheblichen Absonderungen und zu wirtschaftlich tragbaren Preisen“ herzustellen.

Was etwa „wirtschaftlich tragbar“ sein könnte, wurde ebensowenig verraten wie der mögliche Zeitpunkt des Forschungsabschlusses. Das Projekt ist „mittelfristig“, was immer sich der einzelne darunter vorstellen mag.

Trotz all dieser vagen Angaben entsteht zumindest der Eindruck eines gewissen Fortschritts, einer „Land-in-Sicht“-Stimmung. Das Elektromobil hingegen, das ja auch eine Lösung der Umweltprobleme bedeuten würde, war in wesentlich perfekterem Zustand (diesmal eine BLMC-Version) zu sehen. Was sich dem Auge als fertiges Produkt – und nicht einmal so übel – präsentierte, war allerdings das zu Schau gestellte Eingeständnis, daß man seit fünf Jahren auf der Stelle tritt. Was nützen Hinweise auf niedrige Betriebskosten (20 Groschen pro Kilometer), was nützt die Vorfreude auf Wegfall von Kupplung und Schalthebel, wenn die Reichweite nach wie vor 60 km nicht übersteigt … wozu die satte Anzahl von 24 Batterien nötig ist. Erstaunt stehen wir vor dem Elektromobil des Jahres 1972 und sind ergriffen von der Tatsache, daß die Technik noch immer ihre Grenzen hat, daß sie simpel scheinende Probleme nicht in den Griff bekommen kann. So gesehen, ist das Elektromobil ein sehr trostreiches Ding, findet ihr

 

Ihr

Herbert Völker

 

 

INHALTSVERZEICHNIS

 

Leserdienst

Automobilbörse (Seite 58)

Kfz-Steuer, Versicherungsprämien (Seite 58)

Zulassungsstatistik (Seite 59)

Motorradpreise (Seite 59)

Neuwagenpreise (Seite 63)

Tests

A. Rottensteiner: Ford Consul 2300 GT (Seite 12)

A. Rottensteiner Opel Rekordd II 1,9 Coupé (Seite 16)

Informationen

Neuheiten (Seite 6)

Technik (Seite 6

Zubehör (Seite 6)

Wirtschaft (Seite 8)

Verkehr (Seite 8)

Reportagen

H. Völker, A. Rottensteiner: Genfer Automobilsalon (Seite 10)

T. Haringer, G. Hoschek: Motorsport in den USA (Seite 26)

H. Völker, A. Rottensteiner: Rauno Aaltonens Rallye-Seminar (Seite 34)

G. Auer: Fetisch-Service (Seite 42)

Sport

GP-Südafrika (Seite 22)

AUTOREVUE-Mittelfoto (Seite 32)

Niki Lauda erzählt (Seite 48)

Internationaler Motorsport (Seite 50)

Nationaler Motorsport (Seite 52)

Sportresultate (Seite 57)

Sportkalender (Seite 57)

Motorrad

E. Glavitza: Teure Muskelkraft (Seite 46)

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