Autorevue Magazin-Archiv: Ausgabe 4/1966

Ausgabe der Autorevue vom April 1966 mit Cover, Editorial & Impressum

07.04.2013 Autorevue Online-Redaktion

Das Hausmeister-Auto

 

Es liegt uns fern, dem ehrbaren Stand der Hausmeister nahetreten zu wollen, genausowenig wie dies Heimito von Doderer getan hat, der unseres Wissens als erster die „Conciergificatio“ oder „Verhausmeisterung“ literarisch und sozialkritisch untersucht hat.

Uns berühren sozialkritische Studien auch nur, soweit sie in einem Zusammenhang mit automobilen Dingen stehen. Ein solcher Zusammenhang ist durch die immens gesteigerte Kaufkraft der breiten Masse in den letzten zehn Jahren natürlich gegeben, weil „der Durchschnittsösterreicher“ heute Automobilist ist, genauso wie der Durchschnittsamerikaner und Durchschnitts-Westeuropäer.

Diese Erkenntnis ist nicht neu, die Automobilfabriken sind schon vor mehr als einem Jahrzehnt im Zuge der Marktforschung draufgekommen, daß man am Kleinwagensektor dem Geschmack des „kleinen Mannes“ und seinem Streben nach einem Maximum an Prestige pro Kubikzentimeter Hubraum oder Schilling Kaufpreis nachkommen muß. Das Automobil ist heute das „Status Symbol“ der breiten Masse.

Ein interessantes Phänomen: Es gibt „conciergifizierte“ und „klassenlose“ Kleinwagen. Der kleine Lloyd aus dem heute verschwundenen Borgward-Konzern war einer der ersten Gruppe, während der 2 CV eine „klassenlose“ Fahrmaschine ist, genau wie auf etwas höherem Niveau der Volkswagen und die Minis. Hingegen dringt die „Conciergificatio“ im Automobilbau im Zuge der steigenden Kaufkraft der breiten Masse immer mehr in die Mittelklasse vor und hat heute teilweise schon die 2 l-Grenze erreicht.

Denn die moderne Industriegesellschaft braucht die Kaufkraft der breiten Masse, um ihre ständig steigende Produktion, deren Verkaufspreis nur durch hohen Ausstoß niedrig gehalten werden kann, absetzen zu können.

Kürzlich erreichte uns eine interessante Mitteilung unserer Inseratenabteilung. Der österreichische Generalvertreter eines deutschen Herstellerwerks von conciergifizierten Kleinwagen, die gerade einen harten Kampf um den Anschluß an die untere Mittelklasse führen, lehnte die Insertion in die AUTOREVUE mit der Begründung ab, seine Wagen würden ohnedies nur von Erstlingsautomobilisten gekauft, die seiner Meinung nach nicht zu unserem Lesekreis zählen. Womit er – hoffentlich unwissentlich – implizierte, daß kein vernünftiger Mensch sein Fabrikat ein zweitesmal kaufe. So sehr uns dieser Fortschrittsglaube an die Entwicklung des Menschen gefällt, glauben wir doch, daß das Herauswachsen aus den „Hausmeister-Automobilen“ ein Prozeß ist, der Jahrzehnte, vielleicht Generationen dauern wird. Bis dahin werden noch hunderttausende Automobile von Montag bis Samstag unbenützt vor Haustüren stehen, um am Sonntag von der Familie am Teichrand einträchtig gewaschen zu werden, meint

 

Ihre AUTOREVUE

 

 

INHALTSVERZEICHNIS Heft 4/1966

 

Sportresultate (Seite 2)

Leserbriefe

Buchbesprechungen (Seite 4)

Automobilsalon Genf 1966 (Seite 6)

AUTOREVUE-Prüfung VW 1600 TL (Seite 12)

Jochen Rindt – Bleifuß mit Pfeffer (Seite 16)

… es leben die Boliden (Seite 20)

Russische Winder-Rallye (Seite 22)

Besuch bei Matra (Seite 27)

Hanomag Komißbrot (Seite 30)

Autotechnik und innere Sicherheit

Speedpilot (Seite 36)

Aus Handel und Industrie (Seite 40)

Automobilbörse (Seite 45)

Neuwagenpreise (Seite 46) 

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